Das legendäre „Commodore“ in Vancouver

Neonzeichen an einer Konzert-Venue in Vancouver

Wer sich in Vancouver ins Nachleben stürzt, landet nicht selten auf der spektakulär illuminierten Granville Street. Manch ein Backpacker quartiert sich sogar gleich dort ein und muss nur aus seinem Hostelbettchen fallen, um im nächsten Pub zu sitzen. Nach mehreren Berg- und Talfahrten in der Geschichte des Entertainment Districts gibt es einige Venues, die auch heute noch dafür sorgen, dass Vancouver nicht vollends zur oft zitierten „No fun city“ wird. Ganz vorne mit dabei: der legendäre Commodore Ballroom.

 

Heute eine der wichtigsten Live-Venues Kanadas

Als sich 1929 die Türen zum ersten Mal öffneten, ahnte noch niemand, dass Jahrzehnte später Bands wie Nirvana, The Ramones, Police und andere Helden der Musikgeschichte dafür sorgen würden, den Saal mit headbangenden Halbwüchsigen und gröhlenden Musik-Fans zu füllen.

Doch zurück zu den Anfängen: An selber Stelle wie das heutige Commodore eröffnete 1924 das Resturant Café Commodore. Es war Alma Reifel, die Ehefrau des Restaurantbesitzers, die nach einigen Jahren befand, dass Vancouver – zu dem Zeitpunkt noch um einiges kleiner – einen weiteren Tanzsaal vertragen könnte. Ganz angetan von der Idee seiner Frau gab George Conrad Reifel einen Ballroom im alten britischen Stil in Auftrag.

Vancouver bekommt mit dem Commodore eine neue Top-Adresse

Im Dezember 1929 gerade erst als Commodore Cabaret neu eröffnet, musste das Etablissement bereits nach nur vier Monaten die Türen schließen. Die Weltwirtschaftskrise hatte Vancouver fest im Griff. Doch noch nicht mal ein Jahr später – im Dezember 1930 – gingen die Lichter wieder an und sind es bis heute – abgesehen von einer zweijährigen Renovierungspause  – durchgängig geblieben.

Die 1930er und 40er standen ganz im Zeichen des Big Band Sounds. Stars wie Duke Ellington, Sammy Davis Jr. und Tom Doresey gaben sich die Klinke in die Hand. Das Commodore galt seiner Zeit als eine der Top Entertainment Adressen in der Pazifik-Metropole. Einer der Gründe: der sogenannte „Sprung Floor“. Die Reifels hatten sich nicht lumpen lassen und in einen speziellen Bodenbelag investiert. Pferdehaar im Boden sorgt dafür, dass Tanzschritte absorbiert werden und sich der Floor beim Betreten federnd anfühlt – daher auch der Name „Bounce Floor“. Eine Eigenschaft, die auch nachfolgende Pogo-Generationen zu schätzen wussten.

Immer eine Hand am Drink

Die Zeit der Prohibition beschränkte sich nicht allein auf die USA. Auch in Kanada versuchte man, dem Alkohol den Garaus zu machen. Wie beim „Großen Nachbarn“ blühte der Schwarzmarkt und im Commodore wurde trotz des allgemeinen Verbotes fleißig weiter ausgeschenkt. Dies führte dazu, dass die Polizei gleich mehrmals das Gebäude stürmte. Wohlwissend, dass dies jederzeit passieren konnte, hielten die Gäste vorsichtshalber immer eine Hand am Glas. Im Ernstfall wäre das Glas auf Anhieb im Versteck oder der Inhalt in der Kehle gelandet. Dass die Besitzer den illegalen Ausschank duldeten, verwundert nicht, wenn man weiß, dass die Familie der Reifels – Ende des 19. Jahrhunderts aus Elsaß-Lothringen eingewandert – mehrere Brauereien und Destillerien auf Vancouver Island betrieben (selbstverständlich für den Export 😉 ).

Der Rock’n Roll hält Einzug

1969 dann die große Wende: Drew Burns kauft das Commodore, lässt es renovieren und bemüht sich um eine Schanklizenz, die er – gar nicht so selbstverständlich – tatsächlich erhält. Die Zeiten der offziell trockenen Kehlen sind vorbei – die des Swing und Jazz allerdings auch. Rock, Blues, Punk, Country, New Wave und alles, was dazwischen liegt bzw. die Herzen von Musikliebhabern der eher alternativeren Schiene höher schlagen lässt, betimmen von nun an das Programm. Und das ist auch gut so!

 

Wer auf Live-Musik steht und dabei Club-Konzerten den Vorrang gibt, der sollte bei seinem Aufenthalt in Vancouver unbedingt das Programm des Commodore sichten: Commodore Ballroom Website  Auch wenn nicht gerade sie absolute Lieblingsband spielt: die Location ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

 

 

 

Kanadische Band vor Publikum auf der Bühne in Vancouver
Die Lokalmatadoren von Dehli2Dublin vor ausverkauftem Haus

 

 

User19218, Delhi 2 Dublin Vancouver 2012, CC BY-SA 4.0

 

 

 

 

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